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Stefan Bosch-Faerber

"Die Rekruten" soll für Nachwuchs bei der Bundeswehr sorgen

Der Bundeswehr ist mit der Reality-Dokumentation "Die Rekruten" ein echter Überraschungshit gelungen. Auf dem offiziellen Youtube-Kanal konnte von November 2016 bis Januar 2017 der Weg junger Soldaten in der Bundeswehrausbildung verfolgt werden. Dahinter steckt natürlich ein Ziel: Reputation. Die Bundeswehr soll attraktiver gemacht werden. Dafür soll besonders die Webserie für regen Zulauf neuer Bewerber sorgen, da seit dem Wegfall der Wehrpflicht der Nachwuchs fehlt. 

Die Youtube-Webserie "Die Rekruten" stellte sich schnell als ein sehr erfolgreicher PR-Stunt heraus: 266.000 Abonnenten verfolgten die Webserie regelmäßig. Und auch den gewünschten Effekt auf Bewerber gab es: Im Vergleich gingen über 25 Prozent mehr Anrufe interessierter Anwärter über die Karrierehotline in der Zeit der Webserie ein als vorher. Hinzu kommt ein 40 prozentiger Anstieg der Zugriffe auf das Online-Bewerbungsportal. Da hat also jemand einen Nerv getroffen und Interesse geweckt.

Die Bundeswehr hat die Zeichen der Zeit mittlerweile erkannt.
Der Webserie vorangegangen war eine komplette Neuausrichtung der Öffentlichkeitsarbeit, die vor drei Jahren startete: YouTube, Instagram, Snapchat und Facebook werden heute von den 125 verantwortlichen Mitarbeitern in der Bundeswehr-Redaktion gepflegt und mit Inhalten bespielt. Dabei arbeitet die Redaktion auch mit durchaus hohen Geldmitteln: "Die Rekruten" kostete rund 1,7 Millionen Euro. Zusätzlich wurden weitere 6,2 Millionen Euro Werbung bereitgestellt. Das beinhaltet Internet, Radio und Plakate.

Dass die Öffentlichkeitsarbeit überhaupt aufgefrischt wurde, liegt an der PR-Kampagne "Mach, was wirklich zählt", die unter Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ins Leben gerufen wurde. Damit verknüpft ist das klare Ziel 14.300 neue Soldaten und 4.400 zivile Mitarbeiter bis 2023 zu gewinnen.

Die Bundeswehr ist auf einem guten Weg, dieses Ziel zu erreichen. Zumindest stimmen bereits die Zahlen und Entwicklungen im Social-Media-Bereich: Zwischen 100.000 und mehr als eine Million Klicks gab’s je Video. Das Interesse von jungen Menschen ist da, was sogar dazu führte, dass die eingeplanten Marketingkosten im Verlauf der Staffel gesenkt werden konnten - viraler Verbreitung sei dank. 

Friede, Freude, Eierkuchen auf von der Leyens großem Abenteuerspielplatz.
Von verschiedenen Seiten erntete "Die Rekruten" aber bereits bei der Ankündigung scharfe Kritik: So hatten etwa Linke und Grüne die hohen Kosten der Kampagne kritisiert. Als die Folgen schließlich online gingen, stieß inhaltlich vielen sauer auf, dass der Soldatenberuf verniedlicht würde: Die Realität des Soldaten-Lebens - inklusive Krieg und Tod - suche man in der Kampagne vergebens. Vielmehr stelle die Bundeswehr andere Themen und Werte in den Fokus: Sport, Abenteuer oder Kameradschaft dominierten stark. Also alles nur Augenwischerei?

Fortsetzung für Herbst geplant. Zweitverwertung von “Die Rekruten” im TV?
Ungeachtet der vereinzelten Kritik ist für die zweite Jahreshälfte 2017 bereits der Nachfolger zu "Die Rekruten" fest geplant, für den auch wieder der YouTube-Kanal genutzt wird. In der Fortsetzung sollen Charaktere aus "Die Rekruten" auftauchen, allerdings werde es nicht nur um die Grundausbildung gehen. Interessantes Detail: Gleichzeitig wurde bekannt, dass sich ganze vier - nicht näher benannte - TV-Sender für "Die Rekruten" interessieren und seitens der Sender überlegt werde, wie man das Format auf das klassische Fernsehen übertragen kann.

Die Bundeswehr hat es geschafft, eine überaus erfolgreiche Social-Media-Kampagne auf die Beine zu stellen, die als voller Erfolg betrachtet werden kann. Die Klickzahlen sprechen für sich. Die verantwortlichen Redakteure haben es mit interessantem Content geschafft, ihre Zielgruppe genau dort abzuholen, wo sie ist: im Internet. Deshalb erstaunt es auch etwas, dass sich TV-Sender für ein Format interessieren, das seine Zielgruppe längst erreicht hat. 

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