Diese Website verwendet Cookies, um Ihr Surferlebnis zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.   Erfahren Sie mehr.
Zustimmen
Gunnar Hassel
  • Donnerstag, 13.10.2016 um 14:36 Uhr

Amazon schockt Händler mit Reform der Richtlinien für Produktrezensionen

“Customer reviews are one of the most valuable tools we offer customers for making informed purchase decisions, and we work hard to make sure they are doing their job.” 

Chee Chew, VP Amazon, Customer Experience

  

Was die Google-SEO-Gemeinde in Form von Algorithmus-Updates regelmäßig erleiden muss, hat nun den Amazon-Kosmos erwischt. Einige Stellschrauben werden gedreht, schon ist die eigene Arbeit von Monaten, teilweise von Jahren dahin, zumindest aber empfindlich gestört. Amazon hat am 3. Oktober bekanntgegeben, dass die Richtlinien für Produkttester drastisch angepasst wurden. Der mit Abstand größte Online-Marktplatz der Welt mit einem Quartalsumsatz von zuletzt 30,4 Milliarden Dollar (Quartal 2/2016) will dadurch eines seiner wichtigsten Güter schützen: die Käufer-Rezension. Ab sofort sind Produkttester-Bewertungen zunächst in den USA verboten und können auch rückwirkend gelöscht werden.

  

Produkttester bewerten weniger kritisch als Käufer

Der Kern der umwälzenden Anpassungen liegt im Begriff Käufer-Rezension selbst, denn dank der Services durch spezialisierte Anbieter wie den Club der Produkttester werden die Käufer-Feedbacks zu Produkten und Händlerservices teilweise erheblich durch gekennzeichnete Tester-Rezensionen ergänzt. Das System basiert darauf, dass Produkttester stark rabattiert oder gar umsonst an ihre Testobjekte kommen. Sicher auch ein Grund, warum dabei im Vergleich zu “echten” Käuferbewertungen nicht mit derselben kritischen Schärfe rezensiert wird. Umfassende Belege bietet hierzu eine Studie zum Thema Amazon-Produkttester auf ReviewMata.com, der sieben Millionen Amazon-Rezensionen zugrunde liegen.

  

Amazon stärkt eigenes Bewertungsprogramm Vine

Bewertungen durch Produkttester wird es auf Amazon aber auch in Zukunft geben. Über das Amazon-Händlerprogramm Vine kanalisiert der Marktplatz-Gigant die enorme Nachfrage für Tester-Rezensionen zurück in die eigene Einflussebene. Die vergleichsweise strengen Richtlinien für Vine-Produkttester sollen die Qualität und Authentizität der Testberichte ohne persönlichen Kauf sichern.

  

Großes Löschen in den USA, banges Warten in Deutschland

Nach dem Schock folgen nun die ersten spürbaren Auswirkungen. Wie Marketplace Analytics, eine der führenden deutschen Analyse-Plattformen für Amazon-Händler, in einem Blog-Beitrag vom 10. Oktober berichtet und in Screenshots zeigt, wird in den USA bereits fleißig gelöscht und gesperrt. Nach Informationen des Software-Anbieters mit engem Draht zum Amazon-Firmensitz Seattle werden entsprechende Maßnahmen in Deutschland zum Jahreswechsel starten.

  

Vertrauen in Produktbewertungen soll gestärkt werden 

Dass entgegen der ursprünglichen Formulierung in der Amazon-Veröffentlichung zu den neuen Richtlinien für Käufer-Rezensionen auch bereits veröffentlichte “Incentivized Reviews” gelöscht werden, zeigt, wie hoch Amazon das Vertrauen der Kunden in die Produktrezensionen bewertet. Zunächst musste man davon ausgehen, dass ausschließlich neue Tester-Rezensionen verhindert würden.

Bei Händlern und Amazon-SEO-Agenturen hat das Zittern demnach erst begonnen. Am Ende wird die Gemeinde wohl auf Amazon Vine setzen, oder in der Grauzone der neuen Richtlinien kreativ werden müssen. Gespannt darf man dabei sein, welche konkreten Verbesserungen Amazon für die Vine-Dienste umsetzen wird. Vom Versuch, “echte” Einkäufe zu faken, um gemäß der neuen Bestimmungen doch auf eigene Produkttester setzen zu können, raten Experten indes ab. Amazon droht bei Verstößen mit dem Entzug der Händlerzulassung für die Plattform.

Für einen umfassenden Einblick in den Amazon-Kosmos empfehlen wir, in einen aktuellen Podcast der Branchen-Plattform Online Marketing Rockstars reinzuhören.

Franz Jordan zu den Themen Amazon-SEO und Erfolgsstories rund um die Online-Handelsplattform

 

Speichern Abbrechen
  • 3
    Unfassbar
  • 0
    Her damit
  • 0
    Ganz nett
  • 0
    Naja
  • 0
    No way
1 Kommentar
2017-07-01T13:37:42Z
  • Samstag, 01.07.2017 um 13:37 Uhr

Was man grundsätzlich verstehen sollte: Amazon will möglichst viele, hilfreiche Rezensionen bei deren dort verkauften Artikel, damit der Käufer das Produkt besser einschätzen kann.

Was mit der Änderung lediglich erfolgreich umgesetzt wurde: Die Bewertungen können weniger (gut) beeinflusst werden. Sprich Kontaktaufnahme zwischen Händler und Produkttester ist nicht mehr möglich, man darf nicht das Bewertungsprofil des Testers sehen usw. 

Wir haben es so gelöst, dass der Produkttester sich auf Deals bewerben kann und dann vom Händler ausgewählt werden kann, nicht muss. Ob dieser nun eine Bewertung schreibt oder nicht, ist zum einen nicht Pflicht und zum anderen kann der Händler das auch nicht kontrollieren. Die fleißigen und zuverlässigen Produkttester tun dies oft oder meistens - sind aber eben nicht dazu verpflichtet. 

Amazon Vine wird sich meiner Meinung nach nicht durchsetzen, da einfach zu teuer und bislang auch nur von den Vendoren genutzt.

Dateianhänge
    😄
    Ähnliche Artikel

    "Ich habe eine Beschwerde!" - Kritik auf Social-Media-Kanälen als Chance.

    Kunden beschweren sich auf Social-Media-Kanälen gerne und zahlreich über Dienstleistungen oder Produkte. Als Unternehmen gilt es daher, die... mehr

    Karmavernichtung: Wer schlecht reagiert, verliert.

    United Airlines und Abercrombie & Fitch – wo zunächst kein Zusammenhang erkennbar ist, zeigen sich diese beiden Unternehmen doch in einer Sache... mehr

    Brand Safety bei YouTube?

    Oder: PewDiePie und Antisemitismus – wenn für Marken der Spaß aufhört. Dass selbst im Jahre 2017 schlechter Humor riesige Wellen schlagen kann,... mehr

    "Die Rekruten" soll für Nachwuchs bei der Bundeswehr sorgen

    Der Bundeswehr ist mit der Reality-Dokumentation "Die Rekruten" ein echter Überraschungshit gelungen. Auf dem offiziellen Youtube-Kanal konnte von... mehr

    Facebook: Steigende Werbeumsätze zeugen von sinkenden Content-Standards

    Vorbei sind die Zeiten, in denen der Aufbau von Facebook-Fans die wichtigste Kennziffer für Social Media Professionals war. Das ist verlorene... mehr